Von allem, was wir aus dem Kurs auf dem New Healing Festival mitgenommen haben, ist das Kleinste das Brauchbarste. Es dauert zehn Minuten, es braucht niemanden, der etwas kann, und es passt an jeden Küchentisch.
Eine Hand, sonst nichts
Ulrike Schulz hat uns nicht den ganzen Körper vorgenommen, sondern genau einen Körperteil: die Hand. Zwischen den Fingern, um die Nägel herum, Handrücken, Handfläche. Langsam, und dann noch langsamer. Wer meint, er sei langsam genug, ist es meistens nicht.
Der eigentliche Punkt war aber nicht die Berührung. Er war die Rückmeldung. Während die eine Hand erkundet wurde, sagte die andere Person mit, was ihr guttat und was nicht. Nicht hinterher, nicht als Bewertung, sondern währenddessen: das mag ich, das nicht, langsamer, hier bleiben.
Der Satz, der den Kurs getragen hat
Ihre Begründung war nüchterner, als wir erwartet hatten, und sie setzt kein Tantra voraus, kein Modell und keinen Kurs: Nach fünf oder zehn Jahren Beziehung traut man sich oft nicht mehr zu sagen, wie man gerne berührt werden möchte. Nicht aus Scham vor etwas Großem — sondern weil es inzwischen wie ein Vorwurf klingen würde. Als hätte man es all die Jahre ausgehalten.
Was uns daran neu war, ist wie klein der Anlass sein darf. Eine Hand ist harmlos genug, dass niemand sich vorher entscheiden muss, ob daraus etwas Größeres wird.
Warum ausgerechnet die Hände
Zwei Gründe, die im Kurs zusammenkamen. Die Fingerspitzen nehmen sehr viel wahr, in beide Richtungen — wer berührt, spürt fast so viel wie die berührte Person. Und eine Hand hat Kanten, Flächen, harte und weiche Stellen auf engstem Raum. Man kommt also schnell an den Punkt, an dem es tatsächlich einen Unterschied macht, was man sagt.
Was das mit unserer Arbeit zu tun hat
Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, das Berührung danach sortiert, wem sie gerade dient. In der Übung wurde diese Frage nie benannt, und sie war trotzdem die ganze Zeit im Raum: Wer führt hier gerade — die Hand, die erkundet, oder die Stimme, die sagt, was sie möchte? Wir finden es bemerkenswert, dass eine Übung ohne jedes Vokabular denselben Ort trifft.
Ein Einwand gegen uns selbst
Im Kursraum ist so etwas leicht. Es gibt einen Rahmen, jemanden, der die Zeit ansagt, und ringsum machen es alle. Zu Hause fehlt das alles, und der Anfang ist die schwerste Stelle.
Und Rückmeldung zu geben ist für viele Menschen schwerer, als Berührung zuzulassen. „Das mag ich nicht“ fühlt sich an wie Kritik, auch wenn es keine ist. Wer die Übung ausprobiert, wird das vermutlich zuerst merken — und genau daran liegt es, dass sie etwas bringt.
Probiert es aus
Zehn Minuten, eine Hand, und die Verabredung, dass währenddessen gesprochen wird. Mehr ist es nicht. Wenn ihr mögt, erzählt uns, wie es war — wir sind ansprechbar, und so etwas hören wir gern.
Bei unseren Begegnungsabenden gibt es das Gleiche in klein, mit Rahmen und ohne Verabredung im Voraus. Und wer tiefer einsteigen will: In Die Kunst der Berührung ist genau das der Ausgangspunkt. 🤍