Autor: Florian und Eliana

  • Eine Hand, und mehr nicht

    Von allem, was wir aus dem Kurs auf dem New Healing Festival mitgenommen haben, ist das Kleinste das Brauchbarste. Es dauert zehn Minuten, es braucht niemanden, der etwas kann, und es passt an jeden Küchentisch.

    Eine Hand, sonst nichts

    Ulrike Schulz hat uns nicht den ganzen Körper vorgenommen, sondern genau einen Körperteil: die Hand. Zwischen den Fingern, um die Nägel herum, Handrücken, Handfläche. Langsam, und dann noch langsamer. Wer meint, er sei langsam genug, ist es meistens nicht.

    Der eigentliche Punkt war aber nicht die Berührung. Er war die Rückmeldung. Während die eine Hand erkundet wurde, sagte die andere Person mit, was ihr guttat und was nicht. Nicht hinterher, nicht als Bewertung, sondern währenddessen: das mag ich, das nicht, langsamer, hier bleiben.

    Der Satz, der den Kurs getragen hat

    Ihre Begründung war nüchterner, als wir erwartet hatten, und sie setzt kein Tantra voraus, kein Modell und keinen Kurs: Nach fünf oder zehn Jahren Beziehung traut man sich oft nicht mehr zu sagen, wie man gerne berührt werden möchte. Nicht aus Scham vor etwas Großem — sondern weil es inzwischen wie ein Vorwurf klingen würde. Als hätte man es all die Jahre ausgehalten.

    Was uns daran neu war, ist wie klein der Anlass sein darf. Eine Hand ist harmlos genug, dass niemand sich vorher entscheiden muss, ob daraus etwas Größeres wird.

    Warum ausgerechnet die Hände

    Zwei Gründe, die im Kurs zusammenkamen. Die Fingerspitzen nehmen sehr viel wahr, in beide Richtungen — wer berührt, spürt fast so viel wie die berührte Person. Und eine Hand hat Kanten, Flächen, harte und weiche Stellen auf engstem Raum. Man kommt also schnell an den Punkt, an dem es tatsächlich einen Unterschied macht, was man sagt.

    Was das mit unserer Arbeit zu tun hat

    Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, das Berührung danach sortiert, wem sie gerade dient. In der Übung wurde diese Frage nie benannt, und sie war trotzdem die ganze Zeit im Raum: Wer führt hier gerade — die Hand, die erkundet, oder die Stimme, die sagt, was sie möchte? Wir finden es bemerkenswert, dass eine Übung ohne jedes Vokabular denselben Ort trifft.

    Ein Einwand gegen uns selbst

    Im Kursraum ist so etwas leicht. Es gibt einen Rahmen, jemanden, der die Zeit ansagt, und ringsum machen es alle. Zu Hause fehlt das alles, und der Anfang ist die schwerste Stelle.

    Und Rückmeldung zu geben ist für viele Menschen schwerer, als Berührung zuzulassen. „Das mag ich nicht“ fühlt sich an wie Kritik, auch wenn es keine ist. Wer die Übung ausprobiert, wird das vermutlich zuerst merken — und genau daran liegt es, dass sie etwas bringt.

    Probiert es aus

    Zehn Minuten, eine Hand, und die Verabredung, dass währenddessen gesprochen wird. Mehr ist es nicht. Wenn ihr mögt, erzählt uns, wie es war — wir sind ansprechbar, und so etwas hören wir gern.

    Bei unseren Begegnungsabenden gibt es das Gleiche in klein, mit Rahmen und ohne Verabredung im Voraus. Und wer tiefer einsteigen will: In Die Kunst der Berührung ist genau das der Ausgangspunkt. 🤍

  • Kinky heißt Tabu

    In dem Kurs auf dem New Healing Festival fiel ein Wort, bei dem vermutlich alle im Zelt zuerst dasselbe dachten: Lack, Leder, Fesseln, Dominanz. Ulrike Schulz hat es anders benutzt, und diese Verschiebung hat uns seither nicht losgelassen.

    Nicht die Praktik, sondern die Grenze

    In Jaiyas Modell der Erotic Blueprints beschreibt „kinky“ kein Repertoire, sondern eine Beziehung zum Tabu. Die Frage ist nicht, was jemand tut, sondern was für ihn als nicht vorgesehen gilt — und ob er darüber sprechen kann. Was ein Tabu ist, hängt an Herkunft, Familie, Religion, Prägung, und es kann sehr klein sein. Für die eine ist es der Ort. Für den anderen ist es etwas, das nie den Kopf verlässt und auch nicht soll.

    Damit verschiebt sich die ganze Sache. Aus einer Frage nach Ausstattung wird eine Frage nach Sprache.

    Die verletzliche Stelle

    Ulrike hat betont, worauf es dabei ankommt, und es war nicht das, was wir erwartet hatten. Nicht Technik, nicht Sicherheitswort, sondern Vertrauen und die Fähigkeit, einen Raum zu halten. Wer ein Tabu ausspricht, macht sich angreifbar. Ein einziges Belächeln kann reichen, sagte sie, damit jemand nie wieder darüber spricht.

    Dieser Satz hat uns am längsten beschäftigt, gerade weil er so klein ist. Es braucht keinen Übergriff, um eine Tür zu schließen. Ein Zucken im Gesicht genügt.

    Wie ernst sie das nimmt, war an ihrer eigenen Kursführung zu sehen: Sie hat den Raum ausdrücklich als geschützt erklärt, angeboten, statt eines Tabus auch über eine Situation zu sprechen, in der man die eigene Grenze nicht gewahrt hat, und dazugesagt, dass sie niemanden über seine Grenze schieben will. Die Übung war eine Einladung, keine Aufgabe.

    Die andere Hälfte des Neins

    Bei uns gilt, wie wir es an anderer Stelle geschrieben haben, dass Nein eine vollständige Antwort ist. Das stimmt, und es ist trotzdem nur die halbe Bewegung. Ein Nein schützt die eine Person. Es sagt noch nichts darüber, was mit dem Wunsch der anderen passiert.

    Ulrike hat dafür zwei Sätze nebeneinandergestellt, die man beide sagen kann: Ich höre dich in deinem Wunsch. Und: Für mich wäre das die Grenze. Die Formel ist unscheinbar und tut genau eine Sache, die im Alltag ständig misslingt — sie trennt die Ablehnung der Handlung von der Ablehnung der Person.

    Sie nannte die beiden Seiten das Öffnen und das Raumhalten und benutzte dafür die Bilder Shakti und Shiva. Uns interessiert das Bild weniger als die Beobachtung darunter: Beides sind Fähigkeiten, und man kann in der einen geübt sein und in der anderen nicht.

    Ein Einwand gegen uns selbst

    Eine Formel ist leicht zu zitieren und schwer zu leben. Wir haben sie an einem Nachmittag gehört, nicht über Jahre geübt, und wir wissen nicht, wie sie sich anfühlt, wenn der Wunsch einen wirklich trifft.

    Und noch etwas: „Tabu“ ist selbst ein sehr weites Wort. Es fasst zusammen, was verboten, was peinlich und was ungewohnt ist, und das sind drei verschiedene Dinge mit drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Möglicherweise gewinnt das Modell seine Klarheit dadurch, dass es diesen Unterschied verschluckt.

    Die Frage, die bleibt

    Was braucht ein Mensch, um zu hören, was er nicht erfüllen wird? Wir haben darauf keine fertige Antwort. Es ist aber die Frage, die uns aus diesem Kurs am längsten begleitet, und sie ist praktischer, als sie klingt — sie beginnt nicht im Schlafzimmer, sondern an jedem Küchentisch.

    Wer mag, findet unser Verständnis von Konsens ausführlicher an anderer Stelle. Und ansprechbar sind wir sowieso. 🤍

  • Wie du auflädst — und wem die Berührung dient

    Auf dem New Healing Festival waren wir in einem Kurs, der zwei Ordnungen übereinandergelegt hat, die einander nicht kennen: die Erotic Blueprints aus der amerikanischen Sexualtherapie und die Doshas aus dem Ayurveda. Ulrike Schulz hat das an einem Donnerstagnachmittag getan, zwei Stunden lang, und wir sind mit mehr Fragen herausgekommen als hinein.

    Die eine Achse: wie jemand auflädt

    Die Blueprints beschreiben, auf welchem Weg bei jemandem überhaupt etwas in Bewegung kommt. Fünf Grundmuster, in eigenen Worten: Der eine lebt von Spannung und Vorfreude, vom Blick und der Nähe, bevor irgendetwas passiert. Der zweite lädt über die Sinne auf, über Stoffe, Wärme, Geruch, einen hergerichteten Raum. Der dritte ist direkt und zielgerichtet, und das Drumherum ist ihm weniger wichtig. Der vierte lebt vom Tabu, davon, dass etwas nicht vorgesehen ist. Der fünfte hat von allem etwas.

    Das Modell stammt von der amerikanischen Sexualtherapeutin Jaiya und ist ausdrücklich kein altes System, sondern aus ihrer Praxis entstanden; nachlesen kann man es auf missjaiya.com. Ulrike hat zweimal betont, was uns wichtig erscheint: Jeder Mensch hat alle Anteile, nur unterschiedlich stark. „Schubladen“ nannte sie ihre eigenen Kategorien, und dass man sie nicht als starres Konzept verstehen soll.

    Die andere Achse: wem die Berührung dient

    Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, und das fragt etwas anderes. Es sortiert nicht, wie jemand auflädt, sondern wem eine Berührung gerade dient: Wer berührt hier wen, und für wen geschieht es. Zu dieser Frage sagen die Blueprints nichts, und das ist kein Mangel — es sind einfach zwei verschiedene Achsen.

    Interessant wird es, wo sie sich kreuzen. „Ich möchte etwas Langsames, über die Sinne“ sagt etwas über die Sprache. „Und ich möchte es empfangen, nicht geben“ sagt etwas über die Rolle. Erst zusammen ergeben sie einen Satz, den ein Gegenüber wirklich benutzen kann.

    Wo die Verbindung trägt

    Ulrike hat am Ende jeden Blueprint einem Dosha zugeordnet, und zwei dieser Zuordnungen haben uns überzeugt, weil sie etwas ausschließen. Das sinnliche Muster ordnet sie Kapha zu, dem schweren, langsamen, genießenden Prinzip — und eben nicht dem Feuer. Das direkte Muster ordnet sie Pitta zu, dem Feuer, dem Zielgerichteten — und eben nicht der Erde. Solche Zuordnungen kann man prüfen. Man könnte sie auch für falsch halten. Genau das macht sie brauchbar. Wo die Begriffe herkommen, steht in unserem Tantra-Lexikon.

    Und wo sie zu weit wird

    Bei vier von fünf Blueprints taucht in ihren Zuordnungen Vata auf. Das ist im Ayurveda das Bewegungsprinzip, und Bewegung steckt eben in allem: im Aufbauen von Spannung, im Tasten, im Ausprobieren, im Wechseln. Der Einwand richtet sich also nicht gegen sie, sondern gegen die Konstruktion. Ein Merkmal, das fast überall passt, unterscheidet nichts mehr. Es erklärt dann nicht, warum zwei Menschen verschieden sind, es benennt nur, dass sie leben.

    Ein Einwand gegen uns selbst

    Wir haben vor einer Woche geschrieben, dass ein Modell, das immer passt, vielleicht gar nichts erklärt. Jetzt haben wir denselben Maßstab ein zweites Mal angelegt und ein gemischtes Ergebnis bekommen — was verdächtig gut zu unserer eigenen These passt. Vielleicht messen wir inzwischen vor allem unsere Vorliebe für Modelle, die etwas ausschließen.

    Und noch etwas: Wir haben all das gegen einen Kurs geprüft, nicht gegen die Praxis. Ob es in einer Sitzung einen Unterschied macht, ob wir wissen, wie jemand auflädt, haben wir noch nicht ausprobiert.

    Die Frage, die bleibt

    Braucht man ein Typenmodell überhaupt, um besser zu berühren — oder hilft es vor allem beim Darüber-Sprechen? Wir vermuten das Zweite, und das wäre kein kleiner Nutzen. Für vieles, wofür man sonst keine Worte hat, ist ein grobes Raster besser als Schweigen.

    Wenn ihr das ausprobieren wollt, ohne gleich ein System zu lernen: Bei unseren Begegnungsabenden geht es genau darum, so etwas in Worte zu fassen, und ansprechbar sind wir sowieso. 🤍

  • Was man tanzen kann, kann man auch berühren

    Am Mittwoch des New Healing Festivals waren wir in zwei Kursen, die nichts voneinander wussten. Um elf ging es um Bewegung, um halb fünf um Berührung. Verschiedene Menschen, verschiedene Zelte, verschiedene Traditionen. Beide arbeiteten mit denselben vier Qualitäten.

    Vormittags in den Beinen

    Vormittags war Qigong Dancing bei Long Ping, ihre eigene Methode aus Qigong, Kung Fu und Taijiquan. Vier Tiere geben dort die Bewegungsqualität vor: der Bär schwer und langsam, der Kranich leicht und aufgerichtet, der Tiger aus der Ruhe heraus plötzlich schnell, die Schlange geschmeidig. Darüber haben wir hier ausführlicher geschrieben – an dieser Stelle geht es um das, was danach kam.

    Nachmittags in den Händen

    Nachmittags saßen wir in einem Kurs namens Dimensions of Touch. Dort waren die vier Elemente nicht ein Bild neben anderen, sie waren die Struktur: vier Arten, eine Hand aufzulegen. Erde ist langsam und fest. Luft berührt, ohne zu berühren. Wasser geht mit, biegsam. Feuer heizt an.

    Geübt wurde zu zweit, nach einer vorher besprochenen Absprache darüber, was in Ordnung ist und was nicht. Und irgendwann während dieser vier Runden fiel der Groschen: Das ist dasselbe wie heute Vormittag. Erde ist der Bär. Wasser ist die Schlange. Feuer ist der Tiger.

    Diese Verbindung hat übrigens niemand gelehrt – von Tieren war nachmittags keine Rede, und die beiden Kurse haben nichts miteinander zu tun. Sie ist in unserem Kopf entstanden, weil wir an einem Tag beides erlebt haben. Wer sich für die Herkunft der Elementbilder interessiert: Wir haben sie im Wissensgarten aufgeschrieben, samt der Tatsache, dass es „die vier Elemente“ als gemeinsame Lehre gar nicht gibt.

    Warum uns das nicht mehr loslässt

    Wenn dieselbe Qualität im ganzen Körper existiert und in einer einzelnen Hand, dann lässt sich die eine über die andere lernen. Man kann eine Qualität erst tanzen und sie dann in die Finger nehmen. Ein Bär berührt anders als ein Kranich, und wer den Bär einmal im eigenen Stand gespürt hat, findet ihn leichter in der Handfläche wieder.

    Für Die Kunst der Berührung und unsere Sitzungen ist das ein Übungsweg, den wir vorher nicht hatten. Interessant wird es an der Stelle, wo es nicht glatt aufgeht: Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, und das sortiert Berührung nach Rollen – wer berührt hier gerade wen, und für wen. Die Elemente sagen dazu nichts. Sie beschreiben die Qualität, nicht die Rolle. Ein feuriges Nehmen und ein feuriges Dienen sind zwei verschiedene Dinge.

    Zwei Achsen also, die nebeneinanderliegen und noch nicht verbunden sind. Vielleicht ist genau das der Gewinn: „Ich möchte etwas Erdiges empfangen“ sagt mehr als jede der beiden Sprachen für sich. Ob das in einer echten Sitzung trägt oder nur auf dem Papier gut aussieht, haben wir noch nicht ausprobiert.

    Ein Einwand gegen uns selbst

    Bei allen vier Runden hat das Bild getragen. Kein Moment, in dem etwas „Wasser“ heißen sollte und sich nicht so anfühlte. Das klingt nach Bestätigung, und wir misstrauen ihm ein wenig. Ein Modell, das immer passt, schließt nichts aus – und was nichts ausschließt, erklärt vielleicht auch nichts. Vier Grundqualitäten für alles, was zwischen zwei Händen passieren kann, sind ein grobes Raster. Dass nichts danebenfällt, kann heißen, dass es gut sitzt. Es kann auch heißen, dass es zu weitmaschig ist.

    Beides stehen zu lassen, ohne sich für eine Seite zu entscheiden, fühlt sich ehrlicher an, als so ein Erlebnis rund zu erzählen.

    Wie kann man noch berühren?

    Das ist die Frage, die wir aus dieser Woche mitgenommen haben, und wir stellen sie hier offen, weil wir sie selbst noch nicht beantwortet haben. Es gibt weit mehr Arten, eine Hand aufzulegen, als die meisten von uns je ausprobieren. Die vier sind ein Anfang, es gibt in anderen Traditionen ein fünftes, und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es weniger ums Sammeln geht als ums Verinnerlichen.

    Falls ihr beim Lesen gemerkt habt, dass ihr eigentlich immer gleich anfasst: Das ging uns genauso. An unseren Begegnungsabenden lässt sich so etwas in kleinen Schritten ausprobieren, und ansprechbar sind wir sowieso. 🤍

  • Dreimal derselbe Kurs – und warum uns das vierte Tier fehlt

    Beim New Healing Festival im August standen über 500 Angebote im Programm. Wir sind dreimal in denselben Kurs gegangen: Qigong Dancing bei Long Ping, Mittwoch bis Freitag, jeden Vormittag im Tipi. Bei dieser Auswahl ist das keine Zufälligkeit, sondern eine Entscheidung – und sie hat sich gelohnt.

    Vier Tiere, und was aus dem fünften wurde

    Qigong Dancing ist Long Pings eigene Methode, kein traditionelles Qigong – das sagt sie selbst so. Die vorgegebenen Formen sind der Ausgangspunkt, sie geben Struktur und Sicherheit, und von dort geht es ins Freie und Tänzerische. Vier Tiere geben die Qualitäten vor: Bär, Kranich, Tiger und Schlange.

    Ursprung ist das alte chinesische „Spiel der fünf Tiere“. Fünf sind es bei ihr nicht mehr – und die naheliegende Frage, welches denn weggefallen sei, hat eine schönere Antwort als erwartet: keines. Das fünfte ist bei ihr die Quintessenz, die sich aus der guten Mischung der vier ergibt, und sie nennt sie den Drachen. Ihre Schule heißt Friedlicher Drache. Das Tier, das alle anderen in sich vereint, ist bei ihr kein Übungsbild mehr, sondern das Ziel.

    Drei Tage, drei Qualitäten

    Die Tage bauten aufeinander auf, jeder trug ein anderes Tier, und die Übungen wurden komplexer. Am Mittwoch der Bär: stark und langsam, schwer im Stand. Am Donnerstag der Kranich: leicht, aufgerichtet, fast schwerelos. Am Freitag der Tiger: entschlossen, aus der Ruhe heraus plötzlich schnell. Manches haben wir für uns geübt, manches zu zweit – teils mit Berührung, teils als Spiegeln auf Abstand, und einmal als ganze Gruppe.

    Ob ein Tier nun für Erde, Luft oder Feuer steht, ist übrigens unsere Lesart und nicht ihre Lehre. Long Ping spricht von den vier Elementen als Ganzem und beschreibt die Tiere daneben in ganz anderen Sprachen, etwa als Stabilität, Aufrichtung, Präsenz und Beweglichkeit. Wer sich für die Herkunft der Elementbilder interessiert, findet die Einordnung in unserem Wissensgarten.

    Jedes Tier hat eine dunkle Seite

    Der Satz, der uns am längsten beschäftigt hat, steht so auf ihrer Seite: Jedes Tierbild enthält Yin- und Yangaspekte, helle und dunkle Seiten. Ein Tier ist bei ihr keine reine Qualität. Übertragen auf Berührung heißt das: Feuer wärmt und verbrennt, Erde trägt und erdrückt, Luft ist frei und flüchtig, Wasser passt sich an und entzieht sich.

    Das ist der Punkt, an dem so ein Bildsystem für uns brauchbar wird. Eine Qualität, die man erst im eigenen Körper gefunden hat, findet man leichter in der Hand wieder – ein Bär berührt anders als ein Kranich. Genau das nehmen wir gerade mit in unsere Arbeit. Wer die Bilder mitnimmt, nimmt aber die Schattenseite mit, und darüber zu sprechen gehört dazu.

    Das vierte Tier haben wir verpasst

    Die Schlange kam an unseren drei Tagen nur kurz vor. Der eigentliche Schlangentanz lag auf einem späteren Termin, und da saßen wir in einem anderen Kurs. So läuft das auf einem Festival: Man nimmt ein System unvollständig mit, und die Lücke ist ausgerechnet die Qualität, die die anderen zusammenbinden sollte – die geschmeidige, die sich anpasst.

    Bleibt eine Frage, die wir noch nicht beantwortet haben, und wir stellen sie hier lieber offen, als sie uns schön zu reden: Wenn zwei Menschen dieselbe Sache „Feuer“ nennen, meinen sie dasselbe? Schon eine einzelne Lehrerin braucht mehrere Sprachen für dieselben vier Bilder. Trifft so ein System dann etwas Richtiges, oder ist es weit genug, dass jeder hineinlegt, was er sucht?

    Wir denken darüber noch nach. Wenn ihr Lust habt, mitzudenken: an unseren Begegnungsabenden ist Platz für solche Gespräche, und schreiben könnt ihr uns ohnehin jederzeit. 🤍

  • Konsens ist mehr als ein Ja – was das Wheel of Consent mit uns macht

    „Bevor wir berühren, fragen wir.“ – Das steht auf unserer Startseite, und wir meinen es wörtlich. Unser wichtigstes Werkzeug dafür ist das Wheel of Consent von Betty Martin. In diesem Beitrag wollen wir teilen, warum es für uns weit über jede Sitzung hinauswirkt.

    Vier Quadranten, eine Klarheit

    Das Wheel unterscheidet vier Arten der Berührung: Akzeptieren, Nehmen, Empfangen, Dienen. Klingt theoretisch – ist in der Praxis eine Offenbarung. Die zentrale Frage lautet: Wer berührt hier gerade wen, und für wen geschieht es? Sobald das klar ist, wird Berührung ehrlich. Missverständnisse, die sonst schweigend entstehen, bekommen einen Namen.

    Was das mit dem Alltag zu tun hat

    Seit wir damit arbeiten, merken wir: Konsens ist keine Technik für besondere Anlässe, sondern eine Haltung. Sie beginnt beim „Magst du darüber reden?“ und hört beim „Stop genügt, ohne Begründung“ nicht auf. Grenzen zu spüren und auszusprechen ist Übungssache – und jede Übung macht Begegnung leichter, nicht schwerer.

    Wer das live erleben will: In unseren Workshops und an den Begegnungsabenden üben wir genau das, in kleinen Schritten. Häufige Fragen beantworten wir im Q&A – und alles andere gern persönlich. 🤍

  • Was ist ein Begegnungsabend – und für wen ist er?

    Immer wieder erreicht uns die Frage: Was genau passiert eigentlich bei einem Begegnungsabend? Hier unsere Antwort – damit ihr euch vorab ein Bild machen könnt.

    Die kurze Version

    Ein Begegnungsabend ist unser offener, niedrigschwelliger Treffpunkt. Er findet alle paar Monate statt, läuft auf Spendenbasis (Richtwert 10–30 €, und wenn das gerade nicht geht, sprecht uns an) und setzt keine Vorkenntnisse voraus. Ihr müsst weder tanzen können noch Tantra kennen noch irgendjemanden mitbringen.

    Wie so ein Abend abläuft

    Wir beginnen mit Ankommen und einer kurzen Runde, damit Gesichter zu Namen werden. Danach gibt es kleine, freiwillige Übungen – mehr Begegnung als Programm. Alles passiert auf Augenhöhe, und für alles gilt: Nein ist eine vollständige Antwort. Konsens ist bei uns kein Regelwerk am Eingang, sondern die Sprache des Abends.

    Für wen ist das?

    Für alle, die neugierig sind und erst einmal Stimmung schnuppern wollen – bevor sie sich für einen Workshop oder eine Sitzung entscheiden. Viele kommen allein, manche zu zweit. Beides ist normal und willkommen.

    Den nächsten Termin findet ihr auf der Seite Begegnungsabende, dort könnt ihr auch den Newsletter abonnieren – höchstens eine Mail im Monat. Unsere WhatsApp- und Telegram-Gruppen sind geschlossen; dorthin laden wir ein, wenn wir uns einmal persönlich begegnet sind. Fragen vorab? Schreibt uns einfach. Wir freuen uns auf euch. 🤍

  • Eine Tantra-Massage zum Verschenken – warum wir gerade ein Paar als Referenz suchen

    Wir machen unsere Arbeit aus Liebe zur Berührung – und manchmal ist der schönste Weg, sie zu zeigen, sie einfach zu verschenken.

    Gerade möchten wir einem Paar eine Tantra-Massage schenken – kostenfrei, bei uns in unseren privaten Räumen in Augsburg. Eliana und Florian geben sie euch gemeinsam. Wenn es euch gefallen hat, freuen wir uns über ein paar ehrliche Zeilen als Referenz – teilanonymisiert oder unter eurem JoyClub-Namen, ganz wie ihr mögt. Solche Stimmen helfen anderen, Vertrauen zu fassen.

    Was euch erwartet

    Eine Tantra-Massage ist achtsame, langsame Körperarbeit. Wir sind ausgebildete Tantra-Masseur*innen und arbeiten konsens-orientiert: Ihr bestimmt Tempo, Tiefe und Grenzen, in jedem Moment. Es geht um Entspannung, Präsenz und ein waches Körpergefühl. Mehr zu unserem Angebot und zu Ablauf, Grenzen und Ethik findet ihr hier.

    Für ein Paar

    Ihr kommt zu zweit und dürft als Paar empfangen. Vorab lernen wir uns kurz kennen – per Mail oder Telefon –, damit ihr euch sicher fühlt und alle Fragen geklärt sind. Die genaue Adresse bekommt ihr dann von uns.

    Zeiten & Rahmen

    Möglich ist Ende August – oder einfach nach Absprache. Eine Sitzung dauert rund zwei bis drei Stunden.

    Wenn euch das anspricht, schreibt uns einfach über unser Kontaktformular. Wir freuen uns auf euch. 🤍