Wie du auflädst — und wem die Berührung dient

Auf dem New Healing Festival waren wir in einem Kurs, der zwei Ordnungen übereinandergelegt hat, die einander nicht kennen: die Erotic Blueprints aus der amerikanischen Sexualtherapie und die Doshas aus dem Ayurveda. Ulrike Schulz hat das an einem Donnerstagnachmittag getan, zwei Stunden lang, und wir sind mit mehr Fragen herausgekommen als hinein.

Die eine Achse: wie jemand auflädt

Die Blueprints beschreiben, auf welchem Weg bei jemandem überhaupt etwas in Bewegung kommt. Fünf Grundmuster, in eigenen Worten: Der eine lebt von Spannung und Vorfreude, vom Blick und der Nähe, bevor irgendetwas passiert. Der zweite lädt über die Sinne auf, über Stoffe, Wärme, Geruch, einen hergerichteten Raum. Der dritte ist direkt und zielgerichtet, und das Drumherum ist ihm weniger wichtig. Der vierte lebt vom Tabu, davon, dass etwas nicht vorgesehen ist. Der fünfte hat von allem etwas.

Das Modell stammt von der amerikanischen Sexualtherapeutin Jaiya und ist ausdrücklich kein altes System, sondern aus ihrer Praxis entstanden; nachlesen kann man es auf missjaiya.com. Ulrike hat zweimal betont, was uns wichtig erscheint: Jeder Mensch hat alle Anteile, nur unterschiedlich stark. „Schubladen“ nannte sie ihre eigenen Kategorien, und dass man sie nicht als starres Konzept verstehen soll.

Die andere Achse: wem die Berührung dient

Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, und das fragt etwas anderes. Es sortiert nicht, wie jemand auflädt, sondern wem eine Berührung gerade dient: Wer berührt hier wen, und für wen geschieht es. Zu dieser Frage sagen die Blueprints nichts, und das ist kein Mangel — es sind einfach zwei verschiedene Achsen.

Interessant wird es, wo sie sich kreuzen. „Ich möchte etwas Langsames, über die Sinne“ sagt etwas über die Sprache. „Und ich möchte es empfangen, nicht geben“ sagt etwas über die Rolle. Erst zusammen ergeben sie einen Satz, den ein Gegenüber wirklich benutzen kann.

Wo die Verbindung trägt

Ulrike hat am Ende jeden Blueprint einem Dosha zugeordnet, und zwei dieser Zuordnungen haben uns überzeugt, weil sie etwas ausschließen. Das sinnliche Muster ordnet sie Kapha zu, dem schweren, langsamen, genießenden Prinzip — und eben nicht dem Feuer. Das direkte Muster ordnet sie Pitta zu, dem Feuer, dem Zielgerichteten — und eben nicht der Erde. Solche Zuordnungen kann man prüfen. Man könnte sie auch für falsch halten. Genau das macht sie brauchbar. Wo die Begriffe herkommen, steht in unserem Tantra-Lexikon.

Und wo sie zu weit wird

Bei vier von fünf Blueprints taucht in ihren Zuordnungen Vata auf. Das ist im Ayurveda das Bewegungsprinzip, und Bewegung steckt eben in allem: im Aufbauen von Spannung, im Tasten, im Ausprobieren, im Wechseln. Der Einwand richtet sich also nicht gegen sie, sondern gegen die Konstruktion. Ein Merkmal, das fast überall passt, unterscheidet nichts mehr. Es erklärt dann nicht, warum zwei Menschen verschieden sind, es benennt nur, dass sie leben.

Ein Einwand gegen uns selbst

Wir haben vor einer Woche geschrieben, dass ein Modell, das immer passt, vielleicht gar nichts erklärt. Jetzt haben wir denselben Maßstab ein zweites Mal angelegt und ein gemischtes Ergebnis bekommen — was verdächtig gut zu unserer eigenen These passt. Vielleicht messen wir inzwischen vor allem unsere Vorliebe für Modelle, die etwas ausschließen.

Und noch etwas: Wir haben all das gegen einen Kurs geprüft, nicht gegen die Praxis. Ob es in einer Sitzung einen Unterschied macht, ob wir wissen, wie jemand auflädt, haben wir noch nicht ausprobiert.

Die Frage, die bleibt

Braucht man ein Typenmodell überhaupt, um besser zu berühren — oder hilft es vor allem beim Darüber-Sprechen? Wir vermuten das Zweite, und das wäre kein kleiner Nutzen. Für vieles, wofür man sonst keine Worte hat, ist ein grobes Raster besser als Schweigen.

Wenn ihr das ausprobieren wollt, ohne gleich ein System zu lernen: Bei unseren Begegnungsabenden geht es genau darum, so etwas in Worte zu fassen, und ansprechbar sind wir sowieso. 🤍