Was man tanzen kann, kann man auch berühren

Am Mittwoch des New Healing Festivals waren wir in zwei Kursen, die nichts voneinander wussten. Um elf ging es um Bewegung, um halb fünf um Berührung. Verschiedene Menschen, verschiedene Zelte, verschiedene Traditionen. Beide arbeiteten mit denselben vier Qualitäten.

Vormittags in den Beinen

Vormittags war Qigong Dancing bei Long Ping, ihre eigene Methode aus Qigong, Kung Fu und Taijiquan. Vier Tiere geben dort die Bewegungsqualität vor: der Bär schwer und langsam, der Kranich leicht und aufgerichtet, der Tiger aus der Ruhe heraus plötzlich schnell, die Schlange geschmeidig. Darüber haben wir hier ausführlicher geschrieben – an dieser Stelle geht es um das, was danach kam.

Nachmittags in den Händen

Nachmittags saßen wir in einem Kurs namens Dimensions of Touch. Dort waren die vier Elemente nicht ein Bild neben anderen, sie waren die Struktur: vier Arten, eine Hand aufzulegen. Erde ist langsam und fest. Luft berührt, ohne zu berühren. Wasser geht mit, biegsam. Feuer heizt an.

Geübt wurde zu zweit, nach einer vorher besprochenen Absprache darüber, was in Ordnung ist und was nicht. Und irgendwann während dieser vier Runden fiel der Groschen: Das ist dasselbe wie heute Vormittag. Erde ist der Bär. Wasser ist die Schlange. Feuer ist der Tiger.

Diese Verbindung hat übrigens niemand gelehrt – von Tieren war nachmittags keine Rede, und die beiden Kurse haben nichts miteinander zu tun. Sie ist in unserem Kopf entstanden, weil wir an einem Tag beides erlebt haben. Wer sich für die Herkunft der Elementbilder interessiert: Wir haben sie im Wissensgarten aufgeschrieben, samt der Tatsache, dass es „die vier Elemente“ als gemeinsame Lehre gar nicht gibt.

Warum uns das nicht mehr loslässt

Wenn dieselbe Qualität im ganzen Körper existiert und in einer einzelnen Hand, dann lässt sich die eine über die andere lernen. Man kann eine Qualität erst tanzen und sie dann in die Finger nehmen. Ein Bär berührt anders als ein Kranich, und wer den Bär einmal im eigenen Stand gespürt hat, findet ihn leichter in der Handfläche wieder.

Für Die Kunst der Berührung und unsere Einzelsitzungen ist das ein Übungsweg, den wir vorher nicht hatten. Interessant wird es an der Stelle, wo es nicht glatt aufgeht: Wir arbeiten mit dem Wheel of Consent, und das sortiert Berührung nach Rollen – wer berührt hier gerade wen, und für wen. Die Elemente sagen dazu nichts. Sie beschreiben die Qualität, nicht die Rolle. Ein feuriges Nehmen und ein feuriges Dienen sind zwei verschiedene Dinge.

Zwei Achsen also, die nebeneinanderliegen und noch nicht verbunden sind. Vielleicht ist genau das der Gewinn: „Ich möchte etwas Erdiges empfangen“ sagt mehr als jede der beiden Sprachen für sich. Ob das in einer echten Sitzung trägt oder nur auf dem Papier gut aussieht, haben wir noch nicht ausprobiert.

Ein Einwand gegen uns selbst

Bei allen vier Runden hat das Bild getragen. Kein Moment, in dem etwas „Wasser“ heißen sollte und sich nicht so anfühlte. Das klingt nach Bestätigung, und wir misstrauen ihm ein wenig. Ein Modell, das immer passt, schließt nichts aus – und was nichts ausschließt, erklärt vielleicht auch nichts. Vier Grundqualitäten für alles, was zwischen zwei Händen passieren kann, sind ein grobes Raster. Dass nichts danebenfällt, kann heißen, dass es gut sitzt. Es kann auch heißen, dass es zu weitmaschig ist.

Beides stehen zu lassen, ohne sich für eine Seite zu entscheiden, fühlt sich ehrlicher an, als so ein Erlebnis rund zu erzählen.

Wie kann man noch berühren?

Das ist die Frage, die wir aus dieser Woche mitgenommen haben, und wir stellen sie hier offen, weil wir sie selbst noch nicht beantwortet haben. Es gibt weit mehr Arten, eine Hand aufzulegen, als die meisten von uns je ausprobieren. Die vier sind ein Anfang, es gibt in anderen Traditionen ein fünftes, und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es weniger ums Sammeln geht als ums Verinnerlichen.

Falls ihr beim Lesen gemerkt habt, dass ihr eigentlich immer gleich anfasst: Das ging uns genauso. An unseren Begegnungsabenden lässt sich so etwas in kleinen Schritten ausprobieren, und ansprechbar sind wir sowieso. 🤍